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Die Deutschen Christen im Kreise Zauch-Belzig, 1933-1934


Beunruhigt durch die Revolution und die Kirchenverfolgungen im bolschewistischen Rußland, hatten schon in den 20er Jahren konservative Kräfte in der evangelischen Kirche mit der völkischen Bewegung das Bündnis gesucht. Die Bewegung, die später als die Glaubensbewegung Deutsche Christen bekannt wurde, wurde auf der Initiative von Wilhelm Kube, später nationalsozialistische Gauleiter der Kurmark und Oberpräsident der Provinz Brandenburg, ins Leben gerufen. Bei Kirchenwahlen 1932 im Preußen hatten die Deutschen Christen fast ein Drittel der Sitze in den wichtigen Gremien gewonnen.

Die Deutschen Christen hatten das Ziel, eine nach dem sogenannten „Führerprinzip“evangelischen Reichskirche auf der Grundlage von Rasse und Volk zu schaffen. Sie begrüßten die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. Auf der ersten Reichstagung nach der Machtübernahme erklärten die Deutschen Christen, „Der Staat Adolf Hitlers ruft nach der Kirche, die Kirche hat den Ruf gehört.“ [zit. nach K. Zentner, Drittes Reich, S. 36.]

Im April 1933 ernannte Adolf Hitler den den Deutschen Christen nahestehenden Königsberger Wehrkreispfarrer Ludwig Müller zu seinem Berater in Angelegenheiten der evangelischen Kirche. Viele in der evangelischen Kirche, auch viele, die den rassischen Vorstellungen der Deutschen Christen ablehnend gegenüber standen, begrüßten durchaus die Idee einer Reichskirche. Am 27. Mai wählten Vertreter der 28 Landeskirchen aber statt Müller den Leiter der Betheler Anstalten Friedrich von Bodelschwingh zum ersten Reichsbischof. Mit Bodelschwingh war aber weder das „Führerprinzip“ noch das Arierparagraph in der evangelischen Kirche durchzusetzen. Von Anfang an wurde er unter Druck gesetzt.

Adolf Hitler betrachtete die Deutschen Christen als ein Vehikel zur politischen Gleichschaltung der evangelischen Kirche und einige seiner Gefolgsleute waren entschlossen dieses Ziel mit allen Mitteln zu erreichen . Der preußische Kultusminister Bernhard Rust setzte August Jäger als Staatskommissar für alle preußische Landeskirchen ein. Am 24. Juni 1933 trat er sein Amt an. Am Abend des selben Tages trat Reichsbischof Fritz von Bodelschwingh zurück und nannte die Einsetzung des Staatskommissars als Grund.

Jäger ließ nie daran einen Zweifel, daß sein Ziel die Gleichschaltung der evangelischen Kirche. Viele waren entsetzt über diesen staatlichen Eingriff in der in der Zeit der Republik praktizierte Autonomie der Kirche, darunter sogar Deutsche Christen. Es bildete sich eine Front, die sich zur Wehr setzte, bestehend aus dem Oberkirchenrat, den Generalsuperintenden und der Jungreformatorischen Bewegung. Am Abend des 24. beurlaubte Staatskommissar Jäger fast den gesamten Oberkirchenrat und löste sämtliche gewählten kirchlichen Vertretungen auf. Die dadurch freigewordenen Stellen im Oberkirchenrat wurden durch Deutsche Christen besetzt. Jäger ernannte auch Bevollmächtige für die acht altpreußischen Kirchenprovinzen und die sieben preußschen Landeskirchen.

Am Sonntag, dem 25 Mai, trafen sich unzufriedene Mitglieder des Oberkirchenrates und die Generalsuperintenden. Auf Anregung von Otto Dibelius wurde einen Aufruf verfaßt, der gegen die Einsatz staatlicher Macht gegen die Kirche und das, was sie als politische Verfälschung des Evangeliums verstanden, protestierte. Sie riefen dazu auf den darauffolgenden Sonntag zu nutzen, um die Not der Kirche „in Gottesdienst vor das Angesicht des lebendigen Gottes“ zu bringen. Es sollte ein Buß- und Betgottesdienst sein.

Otto Dibelius wurde von Jäger sofort beurlaubt. Der Reichsleiter der Deutschen Christen, Joachim Hossenfelder, verfaßte ein „Wort an die Gemeinde.“ Es wurde angeordnet, daß diese Schrift am 2. Juli in den Gemeinden vorgelesen werden sollte und weiter, daß alle Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser der Evangelischen Kirchen der Altpreußischen Union außer mit der Kirchenfahne auch mit der alten schwarz-weiß-roten Reichsfahne und der Hakenkreuzfahne zu beflaggen wären.

Viele Pfarrer wurden in Gewissenskonflikte gestürzt. Das beurlaubte Kollegium entschied sich eine Klage gegen das Land Preußen beim Staatsgerichtshof in Leipzig einzureichen. Jäger bezeichnete dieses Vorhaben als „Revolte und Auflehnung gegen die Staatsautorität“. (Kretschmar/Nicolaisen, Dokumente I, S. 74)

Es war eine ereignisreiche Woche im ganzen Reich. Am 27. Und 28. Juni lösten sich die Deutschnationale Partei und die Staatspartei auf. Am 29. Juni hielt Bernhard Rust eine kompromißlose Rede in Berlin, in der er die politischen Motive des staatlichen Eingriffs in der Kirche klarstellte. Der Konflikt drohte zum Skandal zu werden, die auch die außenpolitische Position des Reiches betraf.

Kurzfristig wurden Kirchenwahlen für den 23. Juli 1933 angesetzt. Dank der massiven Einmischung des Kanzlers, brachten die Wahlen einen überwältigten Sieg der Deutschen Christen in den Synoden. Preußen, Sachsen, Thüringen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Braunschweig, Hessen und eine Reihe kleinere Landeskirchen waren von der Glaubensbewegung Deutsche Christen beherrscht.

Am 5. September 1933 beschloß die zwei Drittel Mehrheit Deutschen Christen in der preußischen Generalsynode die Einführung des Arierparagraphen für Geistliche und Kirchenbeamter. Nur wer rückhaltlos für den „nationalen Staat“ und arischer Abstammung sei, durfte Geistliche oder Kirchenbeamter sein. Er durfte kein Jude unter den Großeltern haben.

Vor allem aus Widerstand gegen das Arierparagraphen rief Pastor Martin Niemöller zur Gründung des Pfarrernotbundes auf, aus dem die Bekennende Kirche hervorging. Der am 21. September 1933 gegründete Pfarrernotbund richtete seinen Protest allerdings nicht nur gegen das Arierparagraphen sondern auch gegen die Berufung eines Reichsbischofs. Der Bund befürchtete, daß ein „unevangelischer 'Führer‘ sich bei der Kirche einschleicht. (Lexikon des Nationalsozialismus, S. 39)

Am 27. September wählte die in Wittenberg tagende Nationalsynode Ludwig Müller zum Reichbischof.

Aber der Zenit der Glaubensbewegung Deutscher Christen war bald überschritten. Am 13. November, am Tag nach der Reichstagswahl und der Abstimmung zur Politik Adolf Hitlers, fand eine Kundgebung der Deutschen Christen Berlins im Sportpalast statt. Nach einer Rede vom Reichsleiter Joachim Hossenfelder, der darauf wegen eines weiteren Termins die Kundgebung verließ, hielt der Gauführer von Groß-Berlin, Reinhold Krause, eine flammende Rede, in der er nach der „Vollendung der deutschen Reformation im Dritten Reich“ verlangte. Er rief zur „Befreiung von allem Undeutschen im Gottesdienst und im Bekenntnismäßigen, Befreiung vom Altem Testament mit seiner jüdischen Lohnmoral, von diesen Viehhändler- und Zuhältergeschichten.“ „Wenn wir Nationalsozialisten uns schämen, eine Krawatte vom Juden zu kaufen, dann müßten wir uns erst recht schämen, irgend etwas, das zu unserer Seele spricht, das innerste Religiöse vom Juden anzunehmen.“ [Scholder, S. 785] Krause forderte weiter den Verzicht auf die, „ganze Sündenbock- und Minderwertigkeitstheologie des Rabbiners Paulus,“ [Scholder, S. 785] Man werde erleben, so schloß er seine Ansprache, „wie eng sich dann die Verwandtschaft des nordischen Geistes mit dem heldischen Jesusgeist zeigt Es wird dann offenbar werden, daß die Vollendung der Reformation Martin Luthers der endgültige Sieg des nordischen Geistes über orientalischen Materialismus bedeutet Heil! (Lang anhaltender Beifall)“. [Rede des Gauobmannes der Glaubensbewegung »Deutsche Christen« in Groß-Berlin Dr. Krause gehalten im Sportpalast am 13. November 1933 (nach doppeltem stenographischen Bericht), hg. v. Dr. Reinhold Krause. Flugschrift o. 0. u. J. [Verlag Unsere Volkskirche 1933] [Scholder, S. 785]

Nach der Rede wurde eine Resolution verabschiedet, die die sechs wesentlichen Forderungen Krauses beinhaltete. Unter den 20.000 Teilnehmern gab es eine einzige Gegenstimme.

Die Kundgebung erzeugte einen Sturm des Protests. Die ausführliche Berichterstattung ließ den Protest im ganzen Lande ausbreiten. Der Streit in der Kirche war nicht mehr in den Griff zu bekommen. Die Glaubensbewegung wurde durch Austritte Einzelne sowie ganze Landesgruppen geschwächt. Für die meisten, ging die Resolution zu weit, für andere wiederum nicht weit genug. Die Thüringer Landesgruppe schlug einen noch härteren Kurs ein. Pastor Julius Leutheuser erklärte, Adolf Hitler sei, „der Mund eines Heilands, der im Deutschen Volk Fleisch und Blut werden will und geworden ist.“ [Scholder, S. 795] Der Nationalsozialismus sei, „bereits der neue Christusleib.“ „Hitler,“ sagte er, „hat uns Christus gebracht und nicht wir bringen Christus zu Hitler.“ [Niederschrift über die vorbereitende Sitzung zur Bildung einer Volksmissionarischen Kammer am 3. November 1933. AEKD Berlin A 4/41. Der Beitrag Leutheusers auch bei E. G. Rüppel, Die Gemeinschaftsbewegung im Dritten Reich. Ein Beitrag zur Geschichte des Kirchenkampfes, Göttingen 1969, 5. 246.] [Scholder S. 796]

Die Diskussion in der Presse, die bald die Auslandspresse aufgegriffen hatte, wurde der Reichsregierung bald zur Peinlichkeit. Am 27. November schränkte das Propagandaministerium die Berichterstattung über den Kirchenstreit ein. Schon am Tag darauf wurde es verboten, eine einzige Zeile mehr über den Streit innerhalb der Glaubensbewegung Deutsche Christen zu veröffentlichen. Der Reichsinnenminister überzeugte den Kanzler bei der kirchlichen Ausenandersetzung „strikte Neutralität“ zu bewahren.

Bei einem Treffen zwischen Reichsbischof Müller und dem Kanzler am 29. November, teilte Hitler Müller mit, er denke nicht daran, in dem Kirchenstreit einzugreifen. Das war der entscheidende Wendepunkt im Kirchenstreit. Der Anspruch der Deutschen Christen der maßgebliche Träger der neuen Kirche im Dritten Reich, der von Hitler in seiner Unterstützung vor der Kirchenwahl bestätigt hatte, war gescheitert.

Anfang Dezember legte Reichsbischof Müller seine Schirmherrschaft der Deutschen Christen nieder. Am 21. Dezember gab Joachim Hossenfelder seinen Rücktritt von allen kirchlichen Ämtern sowie von der Leitung der Deutschen Christen bekannt. Mit seinem Rücktritt war die große Zeit der Deutschen Christen vorbei. Sein Nachfolger war der 37jährige Vizepräsident des Schleswig-Holstein Landeskirchenamtes, Jurist Dr. Christian Kinder.

Reichsbischof Müller kämpfte um seine Macht. In der Hoffnung die vollen Unterstützung Adolf Hitlers zu sichern gab er am 19 Dezember die von ihm eigenmächtig ausgehandelte Überführung des Evangelischen Jugendwerkes in die Hitlerjugend bekannt. Der Reichsbischof täuschte sich. Ende 1933 weigerte sich Hitler mit irgendeinem Vertreter der evangelischen Kirche auch nur in Verbindung zu treten. Das was als „Weihnachtsgeschenk für den „Führer“ gedacht rief aber weitere Empörung in der evangelischen Kirche hervor und schwächte Müllers Position noch weiter. Müller behielt seinen Titel, war aber ohne Einfluß. Im Juli 1945 beging er in Berlin Selbstmord.

1934 gehörten 7000 Geistliche dem Pfarrernotbund an, 2000 der DC, die restlichen 9000 weder noch. (Lexikon des Nationalsozialismus, S. 39)

Zur Kirchen Wahl vom 23. Juli 1933 riefen die Deutschen Christen im Kreis Zauch-Belzig auf: „Diese Wahl entscheidet darüber, wie das deutsche Volk zum Evangelium steht und welchen Platz das Evangelium im deutsche Volkstum einnehmen wird...Unser Ruf lautet: Baut die neue Kirche Christi um neuen Staat Adolf Hitlers!“ [ZBK, 19.7.1933]

Die Deutschen Christen hatten auch hier erfolgt. Es wird berichtet, z.B., daß Ragösen und Groß-Briesen ausschließlich Mitglieder der Glaubensbewegung Deutsche Christen zur Kreissynode schickten. Von Ragösen wurden der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Carl Spiesecke und der Ortsgruppenleiter des Stahlhelms Hermann Regenstein als Vertreter gewählt. Für Groß-Briesen wurde der Kantor Emil Quade gewählt.

Bis November 1933 waren Ortsgruppen der Deutschen Christen u. a. in Belzig, Brück, Wiesenburg, Ragösen, Mörz, Nescholz, Golzow, Benken, Cammer, Lüsse, Fredersdorf, Dippmannsdorf und Grubo gegründet worden. Zu den größten Ortsgruppen gehörte die in Ragösen, die im Oktober 65 Mitglieder zählte. Gruppenobmann war Pfarrer Paul Bernhard. Der aus Magdeburg stammende Bernhard war seit 1929 Pfarrer in Ragösen.

Pfarrer Bernhard war auch Kreisobmann der Deutschen Christen im Kirchenkreis Belzig und war als Redner in viele Gemeinden eingeladen, wo er Gelegenheit hatte, die Grundsätze der Bewegung zu erläutern. Bei der übrigens schlecht besuchte Gründungsversammlung der Ortsgruppe in Wiesenburg Anfang Oktober sagte Pfarrer Bernhard,

„So wie die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei das Volk zum Erwachen gebracht hat, so soll und wird die Glaubensbewegung Deutsche Christen die Kirche wieder zum Erwachen bringen. Die Glaubensbewegung Deutsche Christen hat ihre Grundlage, ebenso wie die frühere Kirche, in dem Evangelium Jesus Christus. Hierin ist nichts Neues oder Gegensätzliches in der Glaubensbewegung Deutsche Christen zur alten Kirche.“ [ZBK, 19.9.1933]
Es wurde eine „Volkskirche“ angestrebt.

„Die neue Form der Kirche soll und muß Volkskirche werden. Der bäuerliche Kirchengedanke, ich gehöre, als mit der Natur verbunden, als auf Gottes Gnade angewiesener Mensch zu Kirche... Regelmäßigen Kirchenbesuch wird hier den bisher fehlenden Kontakt überbrücken und hinüberleiten zum gegenseitigen Verstehen zwischen Volk und Kirche.“ [ZBK, 9.10.1933]

Aber die Bewegung war durchdrungen von der nationalsozialistischen Weltanschauung.
„Wie die NSDAP. niemals ohne Führerprinzip das geworden wäre, was sie heute ist, so bekennt sich die Glaubensbewegung Deutsche Christen entschieden zum Führerprinzip... Kein Parlamentarismus mehr, nein, positives, freudiges Mitwirken ist Grundsatz der neuen Glaubensbewegung Deutsche Christen.“ [ZBK, 9.10.1933]

Und es sollte ein Deutsches Christentum sein.

„Deutsch sind wir geboren, deutsch ist unsere Art. Vier Geheimnisse – Blut, Sprache, Schicksal und Boden – sind es, die uns gemeinsam verbinden. Niemals kann die Kirche vorübergehen am Bestand der Rasse... Volk und Kirche gehören zusammen im Dritten Reich, wie auch Parteigenossen und Deutsche Christen zusammengehören.“ [ZBK, 9.10.1933]

Pfarrer Bernhard faßte zusammen, „Christuskreuz und Hakenkreuz gehören zusammen und sind die Zeichen unserer neuen Bewegung.“ [ZBK, 9.10.1933]

Kaum eine Versammlung der Deutschen Christen fand statt ohne daß man das Luther Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ sang. Abgeschlossen wurden die Versammlungen mit dem „Deutschlandlied“ und das „Horst-Wessel-Lied“ und ein dreifaches „Sieg-Heil“ auf „unser deutsches Vaterland und seinem großen Führer“, manchmal auch auf den Reichsleiter der Deutschen Christen Hossenfelder und den Reichsbischof Müller.

Das Kirchenleben in Ragösen wurde geprägt von den Überzeugungen des Pfarrers. Manche erzählen, er trat vor seiner Gemeinde im braunen Hemd auf. Von dem Kinderfest der Kindergottesdienste von Ragösen und Groß-Briesen am 17. September 1933 wird berichtet,

„der Geistliche eine Ansprache. Er wies darauf hin, daß zum ersten Male außer der Kirchenfahne die Farben des neuen Reiches dem Zuge der Kinder vorangetragen seien. Unser Volk rufe nach Führern. Der große Führer ist ihn erstanden in Adolf Hitler. Die 160 Kinder beiden Kindergottesdienste, die hier versammelt sind, halten treu zu diesem Führer, vor allem aber auch zu ihrem Führer Jesus Christus....Dann ging es mit fröhlicher Marschmusik zum Pfarrhof zurück, wo mit dem Choral von Luther und einem dreifachen Sieg-Heil auf den Kindergottesdienst, die evangelische Kirche und ihre Führer der schöne Nachmittag geschlossen wurde. Abends ½ 8 begann der Fackelzug, an dem fast das ganze Dorf sich beteiligte. Den Schluß bildete gegen 9 Uhr auf dem Pfarrhof das Deutschland-Lied und das Horst-Wessel-Lied in Verbindung mit einem Schlußwort des Pfarres und einem dreifachen Sieg-Heil auf unser deutsches Vaterland und seinem großen Führer.“ [ZBK, 19.9.1933]

Nach Auffassung des Pfarrers sollte der „Deutsche Christentum“ andere Auswirkungen auf das Kirchenleben haben. In Ragösen plädierte er für den Wegfall der „Sonnabend-Lustbarkeiten, die sich meistens bis in die frühen Sonntagsstunden auszudehnen pflegen.“ [ZBK, 18.10.1933] Es wurde beschlossen, Taufen und Trauungen am Sonnabend zu untersagen. „Sonntag müsse wieder als ‚Tag des Herrn‘ heilig gehalten werden.“ [ZBK, 18.10.1933]

Dem egalitären Anstrich des Nationalsozialismus entsprechend, wurde auch die frühere Platzordnung in der Kirche abgeschafft. Jeder konnte seinen Platz nach Belieben wählen.

Die Deutschen Christen versuchten den Reformator ganz für sich zu reklamieren. Am 10. November 1933 feierte die evangelische Kirche den 450. Geburtstag Martin Luthers. Auf der Monatsversammlung der Ragösener Ortsgruppe der Deutschen Christen im Oktober sprach Pfarrer Bernhard von dem „berechtigten Stolz“ des „evangelischen deutschen Volkes“ auf Luther, „dem es deutsche Sprache, deutsche Bibel und Katechismus und deutschen Gemeindegesang verdanke. Dieser Dreiklang stelle eine Verbindung mit dem deutschen Volke und seinem Führer Adolf Hitler her. Unter den Gesichtspunkt des Deutschtums falle auch der Arierparagraph, der das deutsche Volk wieder freimache von fremden Elementen.“ [ZBK, 18.10.1933]

Pfarrer Bernhard ermahnte alle Deutsche Christen, „im Sinne unseres Führers und des großen Reformators Dr. Martin Luther zu wirken.“ Bei einer Werbeversammlung der Deutschen Christen in Cammer hielt Lehrer Hönow einen Vortrag über Luther, „der mit vielen persönlichen Ausprüchen Luthers durchsetzt war und einen passenden Vergleich erbrachte: Christus – Luther – Hitler.“ [ZBK, 10.11.1933]

Im Festgottesdienst zum Luthertag sagte Bernhard, Luther sei, „uns Deutschen im dritten Reich der Führer zu Gott, zur Kirche und zum Volk...Er betonte, daß unsere Zeit auf Dr. Martin Luther und seine Arbeit an dem deutschen Volk besonders stolz sein könne, weil es unter der Führung Adolf Hitlers in allen seinen Schichten und Ständen sich wieder volksverbunden fühle und umso treuer dem christlichen Lutherideal Rechnung tragen könne.“ [ZBK, 24.11.1933]

Ausgerechnet am Luthertag wurde im Festgottesdienst die neue Fahne der Ortsgruppe der Deutschen Christen mit den Worten eingeweiht, „Ich weihe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.“ Der Pfarrer berührte die neue Fahne, auf der das Christuskreuz und das Hakenkreuz vereint waren, mit der Parteifahne. Daraufhin grüßte die Gemeinde „mit dem deutschen Gruß.“ [ZBK, 24.11.1933] Ehe die Weihestunde beendet wurde, sprach die Gemeinde das Vaterunser.

Die kontroverse Versammlung im Berliner Sportpalast war eine Zäsur in der Geschichte der Deutschen Christen, die an den Deutschen Christen im Kreise Zauch-Belzig nicht vorbeiging. In einer Versammlung am 25. November in Fredersdorf hieß es,

„Man sprach über die Begebenheiten der letzten Zeit und verurteilte die Auswüchse in Berlin. Es wurde die Treue zur Reichsführung, die Anerkenntnis von Bibel und Bekenntnis als Grundlage der Bewegung auf dem Boden des reinen Evangeliums, zum Ausdruck gebracht.“ [ZBK, 27.11.1933]

In einem Aufruf, der am 6. Dezember im Zauch-Belziger Kreisblatt veröffentlicht wurde, wandte sich der Kreisobmann Bernhard an „Nationalsozialisten! Deutsche Christen!“ Er schrieb,

„Im Kampf um unsere deutsche evangelische Kirche steht die Glaubensbewegung „Deutsche Christen“ in fester Geschlossenheit um ihren Schirmherrn Reichsbischof Müller und ihren Reichsleiter Bischof Hossenfelder. Wir setzen uns ein für die Durchführung der Richtlinien, die unser Reichsleiter seinerzeit herausgegeben hat, in denen steht: Wir rütteln nicht an den Bekenntnusgrundlagen der evangelischen Kirche! Unser Ziel bleibt nach wie vor die einige evangelische Kirche Deutschland im Dritten Reich. Wir lassen nun und nimmer Volk und Kirche auseinanderreißen.

„Die Kirche soll und muß eine Kraftquelle des Dritten Reiches sein. Ihre ewigen Grundlagen stehen fest: aber jeder Suchende soll in ihr eine Heimat finden.“

Zum Schluß zitierte er das „Horst-Wessel-Lied“ „Weil unsere Sendung so groß ist und unser Ziel ist hoch, rufen wir jeden auf: Die Fahne hoch, die Reihen fest, geschlossen!“ [ZBK, 6.12.1933] und unteschrieb „Heil Hitler. Bernhard, Pfarrer, Kreisobmann.“

Sechs Tage später, in einer Versammlung der Glaubenbewegung Deutsche Christen in Fredersdorf, bekräftigte Pfarrer Bernhard,

“Warum „Deutsche“ Christen? Unter dieser Bezeichnung ist der wahre, rassenreine Deutsche zu verstehen. Alles, was nicht der deutschen Wesensart im Denken und Fühlen entspricht, hat mit dieser Bezeichnung nichts gemein. Wie in der Staatsführung, so muß auch der Arierparagraph in der Kirche hinein.“

„Nationalsozialismus und Glaubensbewegung „Deutsche Christen“ gehören zusammen, da wahren Nationalsozialismus Tatchristentum im wahrsten Sinne bedeutet. Christenkreuz und Hakenkreuz sind untrennbar und sind somit auf der Glaubensbewegung versinnbildlicht. Wir wollen SA.-Männer der Kirche sein und für sie kämpfen um der gerechten Sache willen.“ [ZBK, 15.12.1933]

Auf einer Kundgebung am 31. Januar 1934 im Hotel Paul in Wiesenburg sprach Bernhard den im Hinblick auf die gelenkte Presse der Zeit bemerkenswerten Satz, „Der vor kurzem entbrannte Kampf gegen die Bewegung „Deutsche Christen“ ist nicht zum geringen Teil eine der vielen hetzerischen Maßnahmen der uns feindlich gesinnte Presse.“

Er sagte weiter, „Wie seit jeher, so auch jetzt und immerdar steht die Lehre der deutschen Christen fest auf dem Boden des Bekenntnisses zu Jesus Christus, der Lehre unseres Reformators Dr. Martin Luther und der gesamten Bibel. Das Ziel der Deutschen Christen ist unverändert die Gewinnung aller derjenigen deutschen Volksgenossen für unsere evangelische Kirche, die Nationalsozialismus und Kirche bejahen. Somit sind die Nationalsozialisten Exponenten des dritten Reiches und müssen sich geschlossen hinter der Reichsbischof Ludwig Müller, der das uneingeschränkte Vertrauen des Kanzlers genießt, stellen“ Die letzte Aussage stimmte bekanntlich nicht.

Weiter sprach er sein Vertrauen in den neuen Reichsleiter, Dr. Kinder aus.
„Nachdem der unfruchtbare Kampf eine gewisse Klärung erfahren hat, muß nunmehr der Kampf gegen unsere Gegner bis zum endgültigen Siege, der sicher nicht lange ausstehen wird, durchgeführt werden.“ [ZBK, 5.2.1933]

Am 17. Februar 1934 sprach Pfarrer Bernhard in Grubo. Er betonte erneut, „Deutscher Christ und evangelischer Nationalsozialist ist eins.“ [ZKB, 22.2.34] und sprach vom Kampf der Deutschen Christen mit ihren Gegnern.

„Der Kampf der Deutschen Christen ist kein Bekenntniskampf, sondern der Zusammenschluß aller evangelischen Christen in drittem Reich. Die Vielfältigkeit der bisherigen 28 Landeskirchen soll und muß in einer Reichskirche aufgehen. Die doppelte Untermauerung der Deutschen Christen ist das „Ja“ zum Nationalsozialismus und das „Ja“ zur evangelischen Kirche...Nationalsozialismus und evangelische Kirche sind volksverbunden, und Aufgabe der Pfarrer ist es, den Nationalismus mit evangelischer Anschauung zu durchdringen und zu verkünden.“ [ZBK, 22.2.1933]

Bei einer Versammlung der Deutschen Christen im Juni 1934 Viktoriagarten in Belzig schlug Landesjugendpfarrer Gartenschläger einen noch größeren Bogen.
„Die Goten mußten Heimat und Heiligtümer verlassen und behielten nichts als ihre Stoßkraft und den Mit ihrer Geschlechter als Heimaterbe...Wohl ist der Stamm der Goten untergegangen, wohl sind die damaligen Bibelübersetzungen verloren gegangen, wohl konnte der Frankenkönig 4500 Sachsen edelsten Blutes auf dem Schlachtfelde von Berden hinschlachten für eine blutfremde Religion, aber das germanische Blut erwachte nach 1000 Jahren unter Luther, der uns das Christentum wieder in nordisch-germanischer Auffassung näher brachte,“ und erinnerte seine Zuhörer, „Die Meinung, daß Religion Privatsache sei, ist ein Zeichen des Marxismus.“ [ZBK, 29.6.1933]

 

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