Carl-Eduard Brandt von Lindau

John Shreve

Der letzte Schloßherr von Schmerwitz

Am 12. Februar 1939 starb der letzte Schloßherr von Schmerwitz, Baron Carl-Eduard Brandt von Lindau, im Alter von 65 Jahren. Mit seinem Ableben erlosch der Name Brandt von Lindau in der Brandtsheide.

Brandt von Lindau wurde am 11. Juni 1873 in Schmerwitz geboren, als Sohn von Benno Friedrich Brandt von Lindau und seiner Frau Therese Maria von Hobe. Der Junge, den man „Charly“ nannte, hatte eine unbeschwerte Kindheit und wuchs mit Hunden und Ponys auf, hatte sogar einen Waschbären. Später besuchte er die Ritterakademie in Brandenburg.

Er war fünfzehn, als sein Vater starb. Er kam in das Internat Lähn in Schlesien, wo er mit den Lehrern nicht zurecht kam und sonst unglücklich war. Nach der Schulzeit trat er als Fahnenjunker in das Kürassier-Regiment Nr. 6 ein.

Als seine Mutter 1896 starb, übernahm Carl Brandt von Lindau den Schmerwitzer Familienbesitz und bewirtschaftete die große Forstwirtschaft sowie das Rittergut Schmerwitz, das er allerdings 1910 an den Landwirt Kühtz verpachtete.

Sein Onkel und Vormund, General Hans von Hobe, war Militärattaché in der Türkei. Brandt von Lindau besuchte ihn häufig in Konstantinopel. Nachdem der General aus dem Dienst ausschied, lebten die beiden auf Schloß Schmerwitz und reisten viel zusammen. Besonders gern hielten sie sich in Monte Carlo auf.

Am 11. Oktober 1090, im Alter von 36 Jahren, heiratete Carl Brandt von Lindau Cläre von Sprenge aus Militsch, geschiedene von Tschirschky. Sie hatten eine Tochter, Christfriede.

Brandt von Lindau liebte den Pferdesport, unterhielt einen großen Rennstall und war häufig auf Rennplätzen, in Karlshorst und Hoppegarten oder fuhr zu den Rennwochen in Doberan und Harzburg.

Er liebte Rennautos, spielte Tennis und fuhr einen Sport-Bob in St. Moritz. Er liebte auch die Jagd und ließ ein Jagdschloß bauen. Ehe es aber eingeweiht werden konnte, brach der Erste Weltkrieg aus.

Der Erste Weltkrieg

Carl Brandt von Lindau stellte sich der Heeresverwaltung zur Verfügung und wurde Kompanieführer im 3. Landsturm-Batallion in Potsdam, mußte aber nach einer Verwundung schon 1915 aus dem Dienst ausscheiden.

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg kaufte er einen Bauernhof am Chiemsee. In Bayern lernte der Baron schon Anfang der zwanziger Jahre den jungen österreichischen Politiker Adolf Hitler kennen und war zufällig in München zur Zeit des gescheiterten Putsch vom November 1923.

Sieben Jahre später trat Brandt von Lindau in die NSDAP ein und wurde bald Ortsgruppenführer in Wiesenburg. Er förderte die SA und baute einen Reitersturm auf.

Schon Anfang 1934 aber zwang eine Krankheit Brandt von Lindau dazu, vom Amt des Ortsgruppenleiters zurückzutreten.

Tod und Nachruf

In einem Nachruf in der Belzig-Reetz-Wiesenburger Zeitung drei Tage nach seinem Tode hieß es, der „Parteigenosse Baron Brandt von Lindau [war] ein gerechter, hilfsbereiter Mann, ein getreuer Kämpfer für das Dritte Reich.“

Er bliebe „bis in die letzten Tage seines durch den Kampf gesegneten Lebens...mit der Partei und den alten Kameraden der Kampfzeit treu verbunden“. Er wurde im Schloßpark von Schmerwitz begraben.

Das Ende der Familie Brandt von Lindau in der Brandtsheide

Der letzte Schloßherr von Schmerwitz starb wenige Monate vor Ausbruch des Krieges, der von seinem „Führer“ angestiftet wurde.

Als der Krieg zu Ende ging, wurde das Schloß, das schon während des Krieges von der Deutschen Reichspost in Beschlag genommen worden war, von Soldaten der sowjetischen Armee geplündert.

Seine Witwe wurde angeschossen und starb an der Verletzung. Die Gruft der Schloßherren wurde geschändet. Die Toten wurden exhumiert und auf dem Dorffriedhof von Schlamau verscharrt.

Es war das unrühmliche Ende der Geschichte der Familie Brandt von Lindau in der Brandtsheide.

Nach dem Zusammenbruch der DDR ließ die Tochter des Barons, Christriede von Drabich-Waechter, das Grab in Schlamau herrichten und neben den geretteten Grabsteinen ihrer Großeltern einen Stein aufstellen mit der Inschrift:

Brandt von Lindau 1350-1945