Der 20. April 1939
Unzählige Geschenke erhielt das Geburtstagskind: Meissner Porzellan, seltene Münzen, Statuen von nackten Frauen oder Kissen, bestickt mit dem Spruch Heil mein Führer.
Albert Speer präsentierte ihm die gerade fertiggestellte Ost-West-Achse, die sieben Kilometer lange neue Prachtstraße der geplanten nationalsozialistischen Hauptstadt.
Der 20. April 1939, der 50. Geburtstag Adolf Hitlers, war Nationalfeiertag.
Joseph Goebbels, der das Geburtstagsspektakel inszeniert hatte, schrieb:
Der Führer wird vom Volk gefeiert, wie nie sonst ein sterblicher Mensch gefeiert worden ist.
Trotz Brutalität und Konzentrationslager, trotz Terror gegen Andersdenkende und der Verfolgung von Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft, erreichte Hitlers Popularität zu seinem 50. Geburtstag einen Höhepunkt.
Die außenpolitischen Erfolge der vergangenen Jahre hatten auch die Skepsis vieler Menschen abgeschwächt.
Die Militärparade in Berlin
Im Mittelpunkt der zentralen Feierlichkeiten stand eine fast fünf Stunden dauernde Militärparade.
Sie sollte auch Deutschlands außenpolitische Gegner beeindrucken und einschüchtern.
Seit 1933 war es üblich, Hitlers Geburtstag zu feiern. Die Feierlichkeiten von 1939 übertrafen jedoch alles bisher Dagewesene.
Die Zeitungen im Kreis
Die Belzig-Reetz-Wiesenburger Zeitung brachte auf ihrer ersten Seite die Schlagzeile:
Freudentag des deutschen Volkes
Dazu erschien ein in Eichenlaub eingerahmtes Portrait Hitlers.
Das Zauch-Belziger Kreisblatt veröffentlichte eine Sonderbeilage unter dem Titel:
Unser Dank dem Führer. Großdeutschland grüßt seinen Führer zum 50. Geburtstag.
Die Artikel waren geprägt von starkem Personenkult.
Die Energie und Kraft des Führers ist ohne Grenzen.
In tiefster Dankbarkeit steht das deutsche Volk heute vor seinem Führer. Es folgt ihm, weil es an ihn glaubt. Es gehorcht ihm bedingungslos, weil es weiß, daß er der Beste ist.
Beginn der Feierlichkeiten in Belzig
Die Feierlichkeiten in Belzig begannen um 18:30 Uhr auf dem Schützenplatz.
Wie jedes Jahr zum Führergeburtstag wurden dort Kinder und Jugendliche in die nationalsozialistischen Jugendorganisationen aufgenommen.
Einundfünfzig zehnjährige deutsche Mädchen und Jungen wurden in das Jungvolk aufgenommen.
Weitere 46 Vierzehnjährige wurden in die Hitlerjugend oder in den Bund Deutscher Mädel aufgenommen.
Die geschmückte Stadt
Entsprechend dem Aufruf des Ortsgruppenleiters Pg. Witte war die gesamte Stadt festlich geschmückt.
Die Straßen wurden als Fahnenmeer beschrieben. Häuser waren mit Girlanden dekoriert, in den Schaufenstern standen Bilder Hitlers.
Das Kreisblatt schrieb:
Als der Abend hereingebrochen war, flammten in den Fenstern der Häuser die Lichter auf, die wie eine Perlenschnur durch die Straßen liefen. Der dunkle Abend war in ein mildes Licht getaucht.
Die Feierstunde auf dem Marktplatz
Die zentrale Feierstunde fand auf dem Marktplatz statt.
Vor dem Rathaus stand ein großes Bild Adolf Hitlers. Fackelträger umsäumten den Platz.
Bereits um 19:30 Uhr war der Platz mit mindestens 2500 Menschen dicht besetzt.
Um 20 Uhr wurde die Feier von Pg. Tesch eröffnet.
Eine Kapelle spielte Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre.
Der Männergesangsverein sang Brüder, weihet Herz und Hand.
Die Festrede von Pg. Witte
Bevor Ortsgruppenleiter Pg. Witte seine Festrede hielt, wurden Worte Hitlers vorgelesen.
Witte mahnte die Hitlerjugend zur Pflichterfüllung und zur Treue gegenüber Führer und Fahne.
Er bezeichnete Zwietracht als die Erbsünde des deutschen Volkes.
Gleichzeitig stellte er die politische Entwicklung als ein historisches Wunder dar.
Wenn wir das als ein Wunder ansehen, so verpflichtet uns dieses Wunder dem Führer gegenüber, der es durch den Glauben an das deutsche Volk und durch die überragende Kraft seiner Person verstanden habe, eine einige deutsche Nation zu schaffen.
Rundfunkübertragung aus Berlin
Nach der Rede sang der Männerchor Wo gen Himmel Eichen ragen.
Das gemeinschaftliche Hören von Rundfunkübertragungen gehörte längst zum Alltag im Dritten Reich.
Es folgte eine Übertragung aus dem Berliner Sportpalast.
Dort vereidigte Rudolf Heß die politischen Führer und Amtsverwalter der Partei und der Frauenschaft.
Nach der Übertragung wurden auch die politischen Leiter und Amtsverwalter Belzigs auf Hitler vereidigt.
Abschließend wurden das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gesungen.
Fackelzug und weitere Feiern
Die Fackelträger zogen danach durch die Straßen.
Die Feier setzte sich anschließend in den Gasthöfen fort.
Auch in den umliegenden Ortschaften verliefen die Feierlichkeiten ähnlich.
Häuser waren mit Hakenkreuzfahnen und Girlanden geschmückt. Ladenbesitzer stellten Hitlerbilder in ihre Schaufenster.
Aus Wiesenburg wurde berichtet:
Zwischen prächtigen Blumensträußen sah man in den Schaufenstern das Bild des Führers, umgeben von den Siegesfahnen der Bewegung.
Überfüllte Versammlungsräume
In vielen Orten fanden vor den Feierstunden Fackelzüge statt.
Die Parteilokale waren häufig überfüllt.
In Reetzerhütten mussten die Plätze im Lokal Schade bereits eine Stunde vor Beginn eingenommen werden.
Nicht alle, die Einlass begehrten, konnten aufgenommen werden.
Aus Baitz wurde berichtet:
Wie groß die Liebe und Verehrung unseres Führers ist, bewies der überfüllte Saal.
Führerbilder und Fahnen
Auf den Bühnen der Säle standen Bilder Hitlers.
In Niemegk wurde die geschmückte Bühne mit dem Führerbild in der Mitte hervorgehoben.
Die Feiern begannen vielerorts mit einem Fahneneinmarsch.
Mitglieder von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel trugen Gedichte vor oder sangen.
In Reetz sang die Jugend des Führers Deutschland, heiliges Vaterland.
Aufnahme in HJ und BDM
Wie in Belzig wurden auch in den umliegenden Orten Kinder und Jugendliche in Jungvolk, Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel aufgenommen.
In Reetz führte Ortsgruppenleiter und Lehrer Pg. Hermann Gottschalk die Verpflichtung auf den Führer durch.
Anschließend sang die Hitlerjugend unter anderem:
Wir sind die Fahnenträger der neuen Zeit
Festansprachen in den Orten
In jedem Ort hielt der jeweilige Ortsgruppenleiter eine Festansprache.
In Niemegk sprach Pg. Kewitz von einer 2000 Jahre langen Sehnsucht der Deutschen nach einem einigen Deutschland.
In Wiesenburg endete die Rede von Ortsgruppenleiter Pg. Willi Grutzeck mit der Bitte, Hitler möge noch lange erhalten bleiben.
In Mörz und Dahnsdorf wurden die Ansprachen ebenfalls mit politischen Treuebekundungen abgeschlossen.
Die Führerehrung
Im Mittelpunkt vieler Feiern stand das Schmücken eines Hitlerbildes mit Blumen.
In Niemegk legten Führer von SA und SS einen Kranz vor dem Bild nieder.
Mitglieder von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel stellten Blumensträuße davor.
In Wiesenburg gab es zudem eine Dia-Vorstellung mit Bildern aus Hitlers Leben.
Die Feierstunden wurden mit Führerehrung, Nationalhymnen und anschließendem Tanz beendet.
Die Feier in Freienthal
In Freienthal verlief die Feier etwas anders, da sie im Freien stattfand.
Autobusse brachten Teilnehmer nach Freienthal.
Um 20 Uhr fand die Feier auf dem Festplatz vor dem Gasthaus Händel statt.
Das mit einer Girlande geschmückte Hitlerbild wurde von zwei Fackelträgern der SA beleuchtet.
Die Kinder trugen Lampions.
Gemeinsam hörte man die Rundfunkübertragung der Berliner Feier.
Nicht alle machten mit
Mit Sicherheit stand ein großer Teil der Menschen in Belzig und Umgebung hinter Adolf Hitler.
Die Gegend war bereits vor der nationalsozialistischen Machtübernahme eine starke Hochburg der NSDAP gewesen.
Bei genauerem Lesen der damaligen Berichte erkennt man jedoch, dass nicht alle Menschen an den Feiern teilnahmen.
Über Wiesenburg hieß es:
Es gab bei uns kaum ein Haus, das ohne Fahnen- und Grünschmuck gewesen wäre.
Das Wort kaum zeigt, dass es auch Häuser gab, die nicht geschmückt waren.
Noch deutlicher wurde ein Bericht aus Mörz:
Zwei Tage prangten mit wenigen Ausnahmen an allen Häusern die Hakenkreuzfahnen. Es gibt scheinbar immer noch Volksgenossen, die nicht begreifen lernen, was sie unserem Führer zu verdanken haben.
Fünf Monate später
In der Ausgabe vom 21. April druckte die Belzig-Reetz-Wiesenburger Zeitung einen Aufruf Hermann Görings mit dem Titel Der größte Deutscher aller Zeiten.
Darin schrieb er:
In tiefer Ehrfurcht stehen wir ein einiges Volk vor der Größe des Mannes, dem wir bis in den Tod verschworen sind.
Fünf Monate später hatte das Sterben schon begonnen.
Quellen
- Joseph Goebbels: Die Tagebücher Joseph Goebbels, Teil I, Band 6.
- Belzig-Reetz-Wiesenburger Zeitung, April 1939.
- Zauch-Belziger Kreisblatt, April 1939.